60.000 Nutzer spielen gegen brutale Mitgift-Praxis

Angry Brides-groß. Quelle: Facebook/Shaadi.com
23. Januar 2012

Es heißt „Angry Brides“, angelehnt an das bekannte „Angry Birds“ und hat schon 60.000 monatliche User: Mit einem Facebook-Spiel will die indische Partnervermittlung Shaadi.com auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam machen. In Indien kommt laut einer Studie aus dem Jahre 2007 alle vier Stunden eine Ehefrau zu Tode. Dies hänge mit der seit 1961 verbotenen, aber nach wie vor praktizierten Zahlung von Mitgift zusammen.


Soll in Indien und weltweit auf Mitgiftzahlungen aufmerksam machen: Angry Brides

Weil die Familie des Bräutigams diese von der Braut verlangt, nehmen viele Väter von Töchtern hohe Ausgaben in Kauf. Hierbei geht es zum einen um den sozialen Status der Brautfamilie, zum anderen werden die gewaltigen Summen teilweise mit massiver Gewalt erpresst. 2010 seien so über 90.000 Ehefrauen zum Teil schwer verletzt und verstümmelt worden, 8.391 Todesfälle zählt die offizielle indische Kriminalitätsstatistik.

Über die Facebook-Seite von Shaadi.com bekommt man Zugriff auf „Angry Brides“. Hier wirft eine vielarmige Ehefrau Gegenstände wie Schuhe, Töpfe oder Nudelhölzer auf die Möchtegern-Gatten. Mit jedem Treffer sinkt die zu zahlende Mitgift und fügt das Geld zu einem virtuellen Anti-Mitgift-Fonds hinzu. Die Partnervermittlung sieht in der Gewalt gegen Ehefrauen neben einer groben Verletzung von grundsätzlichen Werten auch ein demographisches Problem: Die Geschlechter sind nicht im Gleichgewicht, auf 1000 Jungen kommen in Indien nur 914 Mädchen.